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USA 2008

Spurensuche in den USA 2008

In der Spurensuche nach der hl. Gertrud der Großen habe ich mir für den Urlaub 2008 den Osten der USA ausgesucht.
Im Allgemeinen verspreche ich mir von dieser Reise die Begegnung mit einem Stück Land, das mir bisher unbekannt ist, interessante Gespräche und neue Einblicke in der aktuellen politischen Situation nach der Wahl von Barack Obama, eines Farbigen, zum neuen Präsidenten der USA. Und was mich noch mehr interessiert, wie geht es der kath. Kirche nach all den Turbulenzen der jüngsten Vergangenheit und nach dem Papstbesuch.
In Sachen Spurensuche nach der hl. Gertrud verspreche ich mir keine großartigen Ergebnisse, aber doch Ergänzungen und neue Einblicke.

Erstes Ziel ist das Saint Gertrude Monastery in Ridgely, Maryland.

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Im Vorgarten des Klosters grüßt Gertrud von Helfta

In diesem Kloster leben jetzt 20 Benediktinerinnen. Es ist eine Gründung von St. Walburg in Eichstätt, Deutschland. Ursprünglich sollten die Schwestern weiter westwärts das Kloster gründen. Aber es hat sich dann anders entwickelt. Die Familie einer Schwester hatte in Ridgely einen größeren Landbesitz. So beschloss man hierher zu ziehen. Eine große Landwirtschaft ermöglicht den Lebensunterhalt. Dazu waren die Schwestern viele Jahre im Schuldienst. Im 19.Jht. kamen nochmals 8 Schwestern aus Eichstätt. Ein falsch verstandenes Konzil hat die kath. Kirche in den USA schwer getroffen, vor allem auch die Ordensgemeinschaften. Damals verließen 25 Schwestern den Konvent in Ridgely. Der Konvent heute betreut eine Behinderteneinrichtung und tut viel für die Mission in Südamerika. Es wird eine sehr gute Arbeit geleistet und die Schwesterngemeinschaft steht in hohem Ansehen in der ganzen Gegend. Leider hat sie seit 20 Jahren keinen Nachwuchs. Doch frohgemut, tief im Glauben verwurzelt, treu und vertrauend auf die Güte und Fürsorge Gottes geht die Gemeinschaft ihren Weg durch die Zeit.

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Eines meiner Hauptziele als Duracher ist Pittsburgh, Pennsylvania die Stadt, in der einst der Kapuzinerpater Hyazinth Epp aus Durach viel bewirkt hat. Die Erinnerungstafel in der Duracher Kirche hat mich von Kindheit an begleitet.

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Doch erst das 100jährige Jubiläum 2007 mit der Predigt von P.Felix, dem Guardian aus Altötting hat mein Interesse an diesem Missionar wirklich geweckt.
Zur Zeit von P.Hyazinth Epp war Pittsburgh, die Metropole der amerikanischen Schwerindustrie, der Welt größter Stahlerzeuger. Die gewaltige Kohleförderung verursachte eine unglaubliche Umweltverschmutzung. Zur damaligen Zeit musste in solchen Regionen die rauchgeschwängerte, stickige Luft von der Arbeiterschaft und allen Bewohnern ertragen werden. Pittsburgh liegt am Zusammenfluss dreier Flüsse: Monangahela, Allegheny und Ohio.
Die Stadt wurde mit seiner Wirtschaftskraft von großer Bedeutung und gewann großen Reichtum. Zu den reichsten Bürgern gehörten: Andrew Carnegie, der Kohlenhändler Frisch und der Lebensmittelfabrikant Heinz. Viele deutsche Industriearbeiter wanderten damals nach Amerika aus und kamen in diese Industrieregion Pennsylvania. Das war dann auch der Grund, dass für Seelsorge an diesen katholischen Arbeitern Kapuziner aus Deutschland angefordert wurden. So kam auch P.Hyazinth mit seinen Gefährten nach Pittsburgh.
Nun bin ich also an dem Ort, an dem P.Hyazinth seine Missionsarbeit begann. Zum Essen bin ich im Kreis der Kapuzinerpatres. Einige hatten in Deutschland ihren Dienst bei der Army geleistet. Es fällt auf, als ich den Namen P.Hyazinth nenne - jeder kennt ihn. Nicht vergessen also, nach so langer Zeit.
Als Provinzial hatte er die Verantwortung für die entstehende Kapuzinerprovinz in Amerika. Auf dem Friedhof hier in Pittsburgh ist er auch begraben.
Von den Patres, mit denen ich hier spreche, sind zwei auf Heimaturlaub: einer aus Puertorico, einer aus Neuguinea. Kapuzinerprovinzen die von der Provinz Pennsylvania inzwischen aufgebaut worden sind.
Was hat der Bauernbub aus Oberhof bei Durach alles in Bewegung gesetzt. Ein Großer des Gottesreiches.
Wie sieht es mit dem Ordensnachwuchs heute aus? Der stellv. Provinzial sagt: ”Wir sind sehr zufrieden”. Und fügt den wichtigen Satz hinzu: ”Wir schämen uns nicht, junge Menschen auf den Ordensberuf hin anzusprechen”.

In der Augsburger Kirchenzeitung hatte ich von einer St. Gertrudpfarrei in Cincinnati gelesen.
Nach einer Fahrt durch ein schönes Wohngebiet mit vielen Einfamilienhäusern stehe ich vor einer mächtigen Kirche. Freitagmorgen kurz vor 8 Uhr. Menschen strömen zum Gotteshaus, zur hl. Messe. Im Vorraum der durch eine Glaswand vom Kirchenschiff getrennt ist, haben zwei junge Mütter mit ihren Kleinkindern Platz genommen. Von den anwesenden Gläubigen wird der Rosenkranz gebetet. Es versammeln sich für einen Werktag sehr viele Menschen. Es mögen etwa 130 Personen sein. Auffallend viele junge Mütter mit Kindern. Der Gottesdienst wird von einem jungen Priester gefeiert.
Die gute, verinnerlichte Atmosphäre ist ”zum Greifen”. Nach dem Gottesdienst spreche ich mit einer der Lektorinnen und der Vorsängerin. Ich spreche die große Zahl der Gottesdienstteilnehmer an, das auffallende Glaubensklima und zeige ihnen Bilder der hl. Gertrud, auch jenes wie St. Gertrud in der Anbetung ist. Da sagt eine der Frauen: ”Genau das ist es, was unsere Pfarrgemeinde prägt - Eucharistie und Anbetung”.
In weiteren Gesprächen höre ich, wie dankbar die Gläubigen sind, dass sie in dieser Pfarrei leben dürfen. Sie sind dankbar für die Priester und Ordensfrauen, für den Geist, der hier herrscht.
Es zeigt sich, es handelt sich hier um eine besondere Pfarrei. Die Gertrudpfarrei wird von Dominikanerpatres versorgt. Diese haben in der Pfarrei zugleich das Priorat. Das heisst, ihr Ordensnachwuchs wird hier ausgebildet. Auch Ordensschwestern sind mit im Seelsorgeteam. Mehrere Dominikanerinnen arbeiten in der Pfarrei mit. Predigt und Erziehung sind die Hauptziele.
Eine Mutter von 4 Kindern, eine ehemalige Lehrerin nimmt sich um mich an. Sie führt mich zunächst ins Pfarrheim. Es herrscht reger Betrieb.
Diese Gertrudpfarrei ist ungewöhnlich.
Eine Vorzeigepfarrei in Cincinnati, vielleicht in den USA überhaupt.
”Der Geist ist es der lebendig macht.”

Anschließend wird mir die Schule gezeigt.

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Die Schule dient der Bildung, der Förderung der Kinder, der Glaubensweitergabe.
Letztere ist nicht nur geduldet oder an wichtige Fächer gleichsam noch angehängt, sie ist das Innerste.

 

Groß steht geschrieben:

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Schon das Schulhaus selber ist ein Hinweis: Die großen Gänge sind wellenförmig angelegt (sie erinnern an Wellen, Wellengang, Wogen, die das Lebensschiff in Not bringen können). Wo die Gänge zusammenkommen ergeben sich größere Räume, Sammlungsräume. Sie sind auf dem Boden mit einem Fisch markiert. Dieser ist nicht nur eine Dekoration. Er enthält die Glaubensaussage. In der Gemeinschaft und mit Jesus im Lebensboot erreichen wir das Ziel.

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Auch die Geheimnisse des Rosenkranzes und der Kreuzweg sind angebracht. Nicht nur zur Verziehrung - es sind Wege, die in Einübung mit den Kindern gegangen werden.
An einer großen Fotowand sind Menschenportraits.

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Jeder Mensch, jedes Kind ist von Gott gerufen, zur Heiligkeit eingeladen. Jede Woche erhalten ein Junge und ein Mädchen eine besondere Ehrung, eine Auszeichnung für eine gute Tat, eine realisierte Tugend. Den Kindern wird auf Weg zur Heiligkeit Ermutigung und Hilfe zuteil.
Die Patronin der Schule, Gertrud von Helfta steht an einer markanten Stelle, an der die Kinder vorbeikommen. Sie sagt:
Nimm Jesus ins Herz.

Es ist der Freitag vor dem Gertrudsfest. Dieser Tag wird groß gefeiert. Schon heute tragen die Kinder ihre Gertrud-Shirts. Wir besuchen Klasse für Klasse. Im Musikzimmer singen die Kinder ein Lied für den Father aus Germany. In manchen Zimmern treffen wir nur eine Schülerin mit ihrer Lehrerin an. Speziell nötige Förderung, je nach den Bedürfnissen der Kinder. Der Unterricht dauert von 8 - 15 Uhr. Es herrscht eine gute, fröhliche Atmosphäre.

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Schulleiterin Sr.M.Sheila mit Pfr. Hochenauer und Schülerinnen
(im Hintergrund die hl. Gertrud)

Die Schulleiterin Sr.M.Sheila ist zurecht stolz auf ihre Schule.
Ich verstehe, dass die Eltern alles dafür tun, ihre Kinder in dieser Schule unterrichten zu lassen. Die Warteliste von ausserhalb der Pfarrei ist groß.
Der Mittagstisch ist einfach, aber attraktiv und gesund. Die Versorgung erfolgt aus der Schulküche. Eltern helfen freiwillig bei der Essensausgabe.
Was eine christliche Schule sein kann! Wie eine wirklich katholische Schule sein könnte! Hier erlebe ich es. Ich bin begeistert!
Ist es”reiner Zufall“ diese Pfarrei entdeckt zu haben?
Es ist wohl auch kein Zufall, dass diese Pfarrei den Namen der hl. Gertrud erhielt. Im November 1923 hatten sich 25 kath. Familien versammelt um Erzbischof Moeller um eine regelmäßige hl. Messe im Stadtteil Madeira, wo sie lebten, zu bitten. Diese Zusammenkunft war gleichsam der Anfang einer neuen Pfarrei. Und weil dies am Fest der hl. Gertrud von Helfta geschehen war. entschloss sich der Bischof diese Pfarrei so zu benennen.
Wie segensreich wirkt nun diese Pfarrei St. Gertrud!
Die große Lehrerin der Spiritualität St. Gertrud ist Vorbild und Hilfe all die Jahre hindurch und sicherlich auch jetzt in der Gegenwart.
Gertrud, so zeigt es sich, ist hier aktuell und lebendig.
Diese Schule könnte ein Vorbild sein für alle katholischen Schulen weltweit, da bin ich fest überzeugt.
Von dieser Pfarrgemeinde St. Gertrud in Cincinnati könnte man bei allen ernsthaften Überlegungen auf eine dringliche Neuausrichtung der Seelsorge auch in unseren Breiten viel lernen. Eucharistie - zentriert. Personen - zentriert. Familien - zentriert.

Mein weiteres Reiseziel sind die Sisters of St. Benedikt in Ferdinand, Indiana. Irgendjemand sagte mir, dass es auf dem Weg dorthin ein Benediktinerkloster gäbe, namens St. Meinrad.

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An diesem Tag beginnt ein geistliches Wochenende für Männer, ein Exerzitienkurs mit Vorträgen eines Neutestamentlers über den Evangelisten Markus. Das passt zum kommenden Markusjahr. Der für Exertitien verantwortliche Pater lädt mich ein daran teilzunehmen. Der Vortragssaal ist voller Teilnehmer, überwiegend Männer. Die Teilnehmer stellen sich vor, einige kommen von weither, einige kommen jedes Jahr nach St. Meinrad. Auch evangelische Christen sind dabei. Einer sagt: ”Ich bin evangelischer Pastor und Sodale der Benediktiner”.

Das Kloster St. Meinrad ist höchst bedeutsam und hat eine große Ausstrahlung. Es wurde 1854 von Maria Einsiedeln aus gegründet. Etwa 100 Mönche leben hier. St. Meinrad hat auch eine theologische Hochschule mit philosophischer und theologischer Abteilung. Die Hochschule dient vor allem der Ausbildung des ordenseigenen Nachwuchses.
Das geistliche Leben prägt den Alltag und bleibt nicht ohne Ausstrahlung. ”Die Liebe zu Jesus muss vor allem anderen sein”.
So heisst es in der Regel.

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Ein Glasfenster nimmt die intensive Beziehung der Herzen Jesu und Gertruds in den Blick und lädt zur Meditation ein.

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Eine zweite Darstellung vor dem Kapitelsaal. Dieser dient dem Konvent zu regelmäßigen, wichtigen Zusammenkünften unter der Führung des Abtes. In welche Richtung gehen wir, entwickelt sich der Konvent, das Kloster. Da werden von der Mönchsgemeinschaft wesentliche Entscheidungen getroffen.
Vor der Eingangstür steht unter dem Kreuz Maria, die Mutter Jesu und der Apostel Johannes, kniend St. Gertrud. Es geht im Entscheidenden um Christusnachfolge. Jeder Christ muss lernen, diesen Weg zu gehen. Gleich ob in der Welt oder im Kloster. Immer geht es um die innere Christusbeziehung. St. Gertrud kann da eine große Hilfe sein.

Noch ein drittes Mal entdecke ich St. Gertrud. Es war wohl eine ehemalige Gertrudkapelle. Diese hat inzwischen eine besondere Ausrichtung erhalten. Das sagt schon der Name: Kapelle des byzantinischen Ritus und der hl. Gertrud. Das innere dieser Kapelle ist eingerichtet entsprechend des orientalischen Ritus. An erhabener Stelle ist eine Ikone der hl. Gertrud zur Verehrung aufgestellt.
Die Benediktiner bemühen sich - so scheint es - sich um die Ostkirche, diesen oft vergessenen Teil der Christenheit mehr anzunehmen. Im Rahmen der theologischen Ausbildung der Studenten soll bewusst ein Fenster in diese Richtung geöffnet werden. Ich bin sehr dankbar für diese Öffnung und auch für die Möglichkeit, dass durch St. Gertrud, der großen Glaubenslehrerin des Westens, die christliche Spiritualität von Ost und West eine Brücke erhält.

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Nächstes Ziel ist: Sisters of St. Benedikt in Ferdinand.
Am Sonntag um 8 Uhr wird in der Ortskirche der Pfarrgottesdienst gefeiert. Ich staune nicht wenig, als der Gottesdienst mit dem Lied beginnt: ”Jesus dir leb ich” und zwar in deutscher Sprache. In der Messe werden neben amerikanischen Liedern noch weitere deutsche Lieder gesungen: ”Schönster Herr Jesus”, ”Heilig, heilig, heilig“ und zum Abschluss ”Großer Gott wir loben dich”. Mitten im Kernland der Vereinigten Staaten singt eine ehemals von deutschen Einwanderern geprägte Pfarrei noch nach einem Jahrhundert deutsche Lieder. Welche Liebe zur Heimat!
Einmal im Jahr - nämlich heute - ist ”Christkindlmarkt” in Ferdinand. Dieser wird zusammen mit den Ordensfrauen organisiert.
Die ”Sisters of St. Benedikt” sind eine große Schwesterngemeinschaft. 173 Schwestern gehören zum Konvent. Die Schwestern arbeiten in den Schulen, in weiteren Bereichen der Erziehung, in sozialen Diensten.

In Birmingham, Alabama besuche ich die Fernsehstation EWTN. In meiner Wohnung daheim sehe ich die Fernsehbilder fast täglich. Dieser Sender wurde von der Franziskanerin Mother Angelica ins Leben gerufen und sendet heute in alle Erdteile. Neben den großen amerikanischen Fernsehanstalten mag dieser Sender sehr bescheiden sein - er muss auch mit geringen finanzillen Mitteln auskommen. Doch es gibt weltweit sehr viele Menschen, die durch ihn im Glauben gestärkt werden und wichtige kirchliche Informationen erhalten. Es herrscht eine sehr offene Atmosphäre. Ich freue mich an den Gesprächen, an den Gottesdiensten, an dem mit dabei sein können im Studio.

 

Ich habe viel erlebt - Tage und Stunden, die sich wie Geschenke aneinander reihen.

                  Vergelt´s Gott! - Deo Gratias!