titelbld
Spanien 2010

Spurensuche in Spanien 2010

Wie in den Jahren zuvor verbinde ich einige Urlaubstage, diesmal an der Costa Dorado (Provinz Tarragona), mit einer Spurensuche nach der hl. Gertrud von Helfta.

Am Tag nach meiner Ankunft mache ich mich mit dem robusten Mietwagen auf den Weg. Ein Einstieg ist der Besuch zweier Klöster, die von der Werbeschrift ”La Ruta del Cister“ vorgeschlagen sind. Die sogenannte Zisterzienser-Route ist ein Angebot des Kulturtourismus und führt zu den zahlreichen Zisterzienserklöstern der Gegend.
Der Bau von Kloster Santes Creus ist zwischen dem 12.u.13.Jahrh. anzusiedeln und zeigt die klassische Bauweise eines Zisterzienserklosters, wie sie von den französischen Zentren Citeaux und Clairvaux vorgegeben waren. Ein beeindruckendes Baudenkmal, ein Kulturdenkmal. Geschichte, nicht mehr.
Mehr spricht mich das von Zisterzienserinnen belebte und betreute Kloster Vallbona de les Monges. Leider war in beiden Klöstern keine Gertruddarstellung zu finden.

Was mir in diesen Urlaubstagen im Nordosten Spaniens noch am Herzen liegt, ist die Begegnung mit den Orten der hl. Ignatius von Loyola und des hl. Franz Xavier.
Loyola liegt nur wenige Kilometer vom Meer entfernt in einer ländlichen, hügeligen Gegend. Neben dem ehemaligen Elternhaus des Ignatius steht heute die Basilika. Ein Museum gibt eine gute Hilfestellung für das Verständnis der damaligen Zeit und das Leben und Wirken des hl. Ignatius.
Auch den Ort Xavier suche ich auf. Der Weltmissionar Franz Xaver hatte immer einen großen Eindruck auf mich gemacht. Vor vielen Jahren war ich in Goa (Indien) am Grab des hl. Franz Xaver gestanden und habe nun die Gelegenheit seinen Geburtsort kennen zu lernen. Franz von Xavier, einst Professor an der Universität von Paris, Lehrer seines Landsmannes Ignatius von Loyola wurde schließlich dessen erster und treuester Helfer - und der große Missionar Asiens.

In der Abtei des hl. Erlösers von Leyre, einem Benediktinerkloster in schöner Lage, oberhalb des Stausees von Yesa finde ich ein Bild der heiligen Gertrud.

Spanien1

Maria mit Jesus und St. Gertrud.

Auch eine herrliche Gertrudplastik im Kreuzgang und eine Darstellung am Benediktusaltar gibt es. Der hl. Benedikt wird eingerahmt von der hl. Scholastika und St. Gertrud.

Spanien2

Eine großartige, sehr lebendige Abtei. Ein abgelegenes Kloster mit einer großen Anziehung. Während der Hauptstunden des Tages von Pilgern und Touristen überströmt.
Sehr dankbar bin ich auch für die guten Ratschläge, die ich im Hinblick auf Gertrud von Helfta erhielt. Dies ist eine echte Hilfe.

So geht es weiter zum Kloster von San Millan de la Cogolla Suso und Yuso. Ein in jeder Hinsicht beeindruckendes Kloster. Ein geschichtsträchtiger Ort. Dieses Kloster verfügt über eine der bedeutendsten Bibliotheken Spaniens. Auch zeigt sich wieder einmal deutlich, wie sehr die Kirche nicht nur kulturfördernd, sondern kulturschaffend ist. Aus der Geschichte Europas überhaupt nicht wegzudenken!

Spanien3

Ich finde im spanischen  Kloster von San Millan de la Cogolla im Hinblick auf die Entstehung der spanischen Sprache eine Parallele zu Kloster Helfta in Deutschland. Dort lebten neben Gertrud d.Gr. Mechthild von Hackeborn und Mechthild von Magdeburg. Letztere hat in ihrer Schrift ein einzigartiges Dokument der entstehenden deutschen Sprache hinterlassen.
Ihr Werk ”Das fließende Licht der Gottheit“ gilt als Grundwerk der deutschen Sprache. Diese Sprache wurde dann im Westen Deutschlands bekannt und weiter entwickelt und kam schließlich in den darauffolgenden Jahrhunderten in den Osten Deutschlands zurück.
Im Umfeld von Helfta (Mansfelder Land) hat dann Martin Luther im 16.Jh. die Hl. Schrift in eben diese deutsche Sprache übertragen und zum Durchbruch verholfen.
Nun erlebe ich im Kloster von San Millan de la Cogolla einen ähnlichen geschichtlichen - sprachlich - schöpferischen Akt.
Dieser kulturell so bedeutende Ort ist dies auch im Hinblick auf Sankt Gertrud von Helfta.

Spanien4

In einem Ausstellungsraum sind 3 Darstellungen der hl. Gertrud zu einem den ganzen Raum bestimmenden Ensemble zusammengestellt.

Weiter auf dem Programm ist die Abadia Cisterciense de Canas. Ein kleiner Konvent von Zisterzienserinnen lebt hier. Was mag hier in all den Jahrhunderten gebetet worden sein. Heute sind es nur mehr einige ältere Ordensfrauen, die betreut von einem gleichaltrigen Zisterziensermönch treu und gewissenhaft ihr Gebet vor dem ewigen Gott verrichten. Der Zisterziensermönch ist sichtlich erfreut, als er das ins Spanisch übersetzte Büchlein ”St. Gertrud in Südamerika“ erhält. In einem angegliederten Museum freue ich mich, ein Gemälde der hl. Gertrud zu entdecken.

Spanien6

Eine Besonderheit kommt dann noch zum Vorschein. Eine Art Sakramentenschrank, ein Tabernakel. Auf ihm Heiligendarstellungen. Vorne rechts mit dunklem Gewand St. Gertrud, als herausragende Künderin der Eucharistie.

Eine Fahrt nach Olite, einem Kloster der Zisterzienser in der Umgebung von Pamplona und die Rückkehr an die Costa Dorado beschließt diese Spanienrundfahrt.



                            Deo gratias.